„Wir dürfen nie aufhören zu lernen“

Zum 20-jährigen Jubiläum der Digitalagentur Kemweb geben Christoph und Oliver Kemmann Einblicke in eine spannende Zeit.

Die Gründung der Firma Kemweb GmbH & Co. KG, die 2018 ihr 20jähriges Bestehen feierte, lag in den Anfangstagen des Internets. So schnell und dynamisch, wie sich die Digitalisierung entwickelt hat, ist auch die Geschichte dieses Unternehmens. Die Brüder Christoph und Oliver Kemmann studierten noch, Christoph Informatik und Oliver Maschinenbau, als sie 1997 bei einem Familienurlaub auf einer Skihütte zusammensaßen und überlegten, ob und wie man mit „diesem neuen Internet“ Geld verdienen kann. Schnell wurde eine Firma gegründet, die ersten Aufträge noch aus dem Wohnzimmer bedient. Mit dem Umzug zur Untermiete bei einer Agentur in Nierstein kam der erste nennenswerte Auftrag: Livestreaming von den olympischen Spielen 2000 in Sydney für die deutsche Telekom. Und mit dem Livestreaming kamen Anfragen, auch Filme zu erstellen.  Inzwischen bietet die Digital- und Filmagentur die Produktion von Apps, Plattformen, Content und Filmen für Web und Mobile sowie Kampagnen und Online-Marketing.

Die Entwicklung der Agentur ist stark geprägt von den Gründern und ihren Interessen. „Wir haben das Glück, dass wir so unterschiedliche Interessen haben. Das merkt man ja gleich, der Olli kommuniziert gern, ich fühle mich mit den technischen Themen ganz wohl“, so Christoph Kemmann. Als Oliver vor Kurzem auf der South-by-Southwest-Konferenz war, dem Mekka der digital Kreativen, war Christoph auf einer „relativ langweiligen“ IT-Konferenz, bei der Angriffsszenarien auf Webseiten sowie Gegenmaßnahmen diskutiert wurden. Was die beiden dann nach Hause mitbringen, wird gleich umgesetzt, in neue Konzeptideen oder auch neue technische Services. Im Umgang miteinander sprechen die etwas ungleichen Brüder von Urvertrauen, aber auch davon, oft unterschiedlicher Meinung zu sein und sich „ordentlich die Argumente um die Ohren zu hauen“. Es wird dann aber auch diskutiert und gemeinsam gelöst.

„think – create – improve“

Viele Jahre stand die Agentur immer am Ende von Auftragsketten, wenn Aufgaben und Budgets bereits verteilt waren, und waren lediglich Produzenten von Webseiten, Videos oder Anwendungen. „Oft war das Kind schon in den Brunnen gefallen, bevor wir anfangen konnten zu arbeiten“, so Oliver Kemmann. Vor circa fünf Jahren dann wurde begonnen, stärker konzeptionell zu arbeiten. Dafür haben sie den Begriff „think – create – improve“ für sich aufgesetzt. Also erst einmal prüfen, was das Geschäftsmodell des Kunden ist, was seine Absicht. Aber eben auch: was die Bedürfnisse von dessen Kunden sind. Dann kann man überlegen, was gebraucht wird, vielleicht ein neuer Shop, vielleicht aber auch etwas Anderes.

Maßgeblich für diesen Transformationsprozess in der Firmengeschichte war die Frage nach dem Warum. Und die Antwort darauf lautete irgendwann: „Wir wollen unseren Kunden helfen, in einer digitalen Welt erfolgreich zu sein“. Damit verlieren die Fragen nach dem „Was“ und auch dem „Wie“ an Bedeutung.

So sind Technik und Produktion inzwischen nicht mehr der einzige Schwerpunkt der Tätigkeit. Wenn man erst einmal die Frage stellt, was ein neues Tool bringen soll, kommt man schnell zu den grundlegenden Problemen. Und deswegen hat das viel mit Beratung zu tun. Das Umsetzen danach, das sogenannte Tooling, ist natürlich immer noch genauso wichtig. Es gibt längst KI-Systeme, die Webseiten bauen, indem sie Bilder heraussuchen, Texte erstellen und zusammenfügen und rasend schnell selbst lernen, welche Varianten am besten funktionieren. Und dann kann es die Aufgabe einer Agentur sein, nicht mehr die Webseite zu bauen, sondern die richtige KI für die Webseite zu finden.

Seit der Gründung ist auch die MVB involviert. Gelegentlich auch als Auftraggeber, aber vor allem als Bank hat die MVB die Firma und auch die Gründerfamilien all die Jahre aktiv begleitet. Auch deshalb ist Oliver Kemmann Vertreter, also gewählter Delegierter der Mitglieder der Mainzer Volksbank.

Flexibilität als Kontinuität

Der Zukunft ihrer inzwischen auf 30 Mitarbeiter angewachsenen Firma sehen sie optimistisch entgegen: Christoph sieht noch ein organisches Wachstum voraus: „Wir brauchen eine Mannschaftsstärke, mit der wir die Basics und ein gewisses Auftragsvolumen bedienen können. Von daher wollen wir noch ein bisschen wachsen, ein bisschen mehr Umsatz, damit wir Zeit und Geld haben, mehr in unsere Mitarbeiter zu investieren, in unsere Arbeitsweisen, unsere Meeting-Kultur.“

Und Oliver ergänzt: „Ich glaube, dass wir nur dann überlebensfähig sind, wenn wir es schaffen, unsere Struktur so zu ändern, dass wir viel flexibler werden in der Art, wie wir und unsere Mitarbeiter arbeiten, um permanent zu lernen. Die selbstgestellte Aufgabe von Kemweb ist es, von einer wissenden zu einer lernenden Organisation zu werden. Vorherzusehen, wo es hingeht, ist schwierig, aber immer bereit zu sein, immer reagieren, das ist etwas, was Kemweb nicht schwerfällt, weil wir es schon immer gemacht haben. Das ist unsere Kontinuität.“