„Caravaning hat immer mit Menschen zu tun“

Die Moser-Caravaning GmbH in Mainz-Hechtsheim feiert 60jähriges Bestehen

Es ist die schiere Masse an Fahrzeugen, die beeindruckt. Schon beim ersten Blick aufs Firmengelände fallen einem die endlosen Reihen parkender Wohnmobile ins Auge, die hier auf Kundschaft warten. Doch bis hierhin ist es ein weiter Weg. 1957 noch steht Alois Moser als Produktionsbandleiter beim Wohnwagen-Hersteller Hymer in den Werkshallen, um die Produktion des Hymer Touring ans Laufen zu bringen. Zwei Jahr später gründet er dann in Mainz-Hechtsheim ein eigenes Caravaning-Unternehmen, voller Vertrauen in sich, die Branche und das zunehmende Freizeitverhalten der Deutschen. Heute, nach 60 Jahren erfolgreicher Firmengeschichte, ist Moser Caravaning, in zweiter Generation geführt von Sohn Bernhard Moser und seiner Frau Susanne, einer der größten Caravaning-Händler Deutschlands und in der Branche ein geachteter Partner.

Was Alois und Bernhard verbindet, ist das Visionäre. Wo der Vater mit seinen Entscheidungen bereits Pioniergeist zeigte, auch mit dem Bau einer Ausstellungshalle 1974, lange bevor Showrooms modern wurden, denkt der Sohn ebenfalls groß: Eine Betriebserweiterung folgt der nächsten, Moser ist immer wieder Top-Verkäufer der angebotenen Marken, zum eigenen Jubiläum bietet die Firma Sondermodelle.

Aber nicht immer läuft alles reibungslos. Nach einem gelungenen Generationenwechsel 2002 steht Bernhard Moser 2005 vor seiner ersten großen Entscheidung: Die Firma Hymer, die Moser damals noch exklusiv anbot, hatte im 110 Kilometer entfernten Wertheim eine Firmen-Verkaufsstelle eingerichtet. „Das hätte uns bis zu 30 Prozent unseres Absatzes an Hymer-Fahrzeugen kosten können. Auf dieser Analyse haben wir eine neue Ausrichtung vorgenommen und drei weitere Anbieter mit aufgenommen. Das waren schwierige Verhandlungen damals“, berichtet Moser, und fährt stolz fort: „Das Ende der Exklusivität war dann aber goldrichtig. Mit Carthago haben wir einen echten Glücksgriff getan, eine stark expandierende Marke, und für Hymer wurden wir daraufhin wieder sehr interessant, weil wir dadurch natürlich eine größere Marktkenntnis hatten.“

Caravaning für Anfänger und für Profis

Einsteiger interessieren sich oft für Kastenwagen, wenn der Invest nicht so groß sein soll. „Drei vier Jahre später, falls der Kunde Gefallen am Caravaning findet, folgt dann oft der Wunsch nach mehr Komfort und dem Interesse an einem gehobeneren Wohnmobil“, berichtet der Inhaber von seinen Kunden, die er oft über Jahre betreut. Das ist auch die besondere Stärke von Moser Caravaning: eine seriöse Beratung vor dem Verkauf, eine umfassende Betreuung nach einem Verkauf. Dazu kommt eine sehr große Werkstatt für bis zu 17 Fahrzeuge. „Wir machen hier keine Motor-Reparaturen, das überlassen wir den Fahrzeug-Herstellern, die das viel besser können. Aber Reparaturen sowie Auf- und Ausbauten wie SAT- oder Klima-Anlagen können wir problemlos anbieten“, so Moser.

Das Ehepaar Bernhard und Susanne Moser leitet die Firma Moser Caravaning bereits in der zweiten Generation.
Das Ehepaar Bernhard und Susanne Moser leitet die Firma Moser Caravaning bereits in der zweiten Generation. Bild: Moser Caravaning.

Inzwischen kommen die Kunden aus einem 200-Kilometer weiten Radius, dazu gehen 15 % der Verkäufe in das europäische Ausland. Aber immer kommen die Kunden zuerst auf den Hof, wo sie aus 240 Fahrzeugen vor Ort auswählen können. Das ist auch die größte Herausforderung: Bei Hersteller-Lieferzeiten von sechs bis 10 Monaten für ein Neufahrzeug erwarten die Kunden eine große Auswahl an Fahrzeugen, die sie gegebenenfalls gleich mitnehmen können. Das bedeutet für die Firma eine permanent hohe Kapitalbindung, doch eine Verringerung des Bestands würde sich negativ auf die Umsätze auswirken.

Daher plant Moser eine weitere Geländevergrößerung, die sich aber nicht so einfach gestaltet. Für den Erwerb der notwendigen Flächen ist er im intensiven Austausch mit der Stadt Mainz. Ebenfalls in regem Austausch ist Bernhard Moser mit der Mainzer Volksbank. Wie viele Mittelständler hat er mehrere Bankverbindungen, aber: „Meine Mutter hat bereits kurz nach der Gründung beim Vorstand der damaligen Raiffeisen Volksbank Mainz vorgesprochen“, so Moser. Seit dieser Zeit hat die MVB die Firma immer gut begleitet – „im Gegensatz zu anderen Banken, die uns zwischenzeitlich den Rücken kehrten, weil wir trotz zweistelliger Millionen-Umsätze ‚zu klein‘ seien“, berichtet Moser. „Da schauen wir inzwischen natürlich genau hin, wer passt zu uns, mit wem will ich zusammenarbeiten.“ Und so existiert mit der MVB eine nun ebenfalls fast 60 Jahre währende Partnerschaft.

Wissen, von wo man kommt und wohin man geht

Für das Jubiläum wählte man den Slogan „Zurück und in die Zukunft“. Darin zeigen sich die zwei wesentlichen Blickrichtungen: Mit Stolz blickt die Familie Moser auf 60 Jahre Firmen-Bestehen zurück – keine Selbstverständlichkeit, wie auch Günter Jertz, Hauptgeschäftsführer der IHK Rheinhessen bei den Jubiläumsfeiern feststellte. Nur die wenigsten Betriebe im IHK-Geschäftsbereich erreichen ihr 50jähriges Bestehen. Das zeigt, wie außergewöhnlich eine solch lange Zeit des geschäftlichen Erfolgs ist. Und natürlich schaut Bernhard Moser nach vorn. „Wir planen in 10-Jahres-Zyklen. Ob unsere Tochter die Firma einmal übernehmen will, wissen wir noch nicht“, erzählt Moser. Keinesfalls wolle man die Tochter darauf festlegen. Aber: „Mir ist wichtig, dass die Firma dauerhaft überlebensfähig ist, auch weil wir unseren 30 teilweise jungen Mitarbeitern weiterhin eine dauerhafte Zukunft bieten wollen.“

Sorgen muss er sich erstmal nicht machen. Der europäische Caravaning-Markt, insbesondere im Wohnmobil-Bereich, verzeichnet weiterhin deutliche Zuwächse. Zum einen folgt das einem Trend hin zu individuelleren Urlauben: Getrieben von dem Wunsch nach Unabhängigkeit von Anbietern, nach mehr Spontaneität und Flexibilität, schöne Orte direkt anfahren zu können, aber auch Standorte wechseln zu können.

Zum anderen gab es in den letzten Jahren einen spürbaren positiven Image-Wechsel. Deshalb schaut Moser optimistisch in die Zukunft: „Caravaning hat immer auch etwas mit Menschen zu tun, man kommt auf Camping-Plätzen sehr schnell mit anderen in Kontakt, und das ist auch etwas, was unsere Kunden suchen.  Wir wollen den Kunden mit dem Virus des Caravanings infizieren und ihn dann sein Leben lang begleiten.“