Nachhaltigkeit in der Geldanlage

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen kaufen Bio oder regional, nutzen Ökostrom, achten auf faire Produktion und plastikfreie Verpackung. Kurz: sie verankern nachhaltige Aspekte in ihrem Leben – und dies auch zunehmend beim Thema Geldanlage. Immer deutlicher wird, dass sich hier ein gesellschaftlicher Wandel vollzieht und es sich nicht um einen kurzen Modetrend handelt.

Der Trend zu Anlagen mit nachhaltigen Aspekten ist in Deutschland ungebrochen. Immer mehr Verbraucher möchten auch bei ihren Investments ökologische, soziale und ethische Kriterien berücksichtigt wissen. Dies belegen auch harte Zahlen: So hat sich das Anlagevolumen der nachhaltigen Publikumsfonds in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt.

Verwaltetes Vermögen nachhaltiger Publikumsfonds in Deutschland

Verwaltetes vermoegen nachhaltiger Publikumsfonds in Deutschland - Mainzer Volksbank
Quelle: BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V., eigene Darstellung

Doch was genau versteht man unter einem nachhaltigen Investmentfonds? Ganz allgemein gesprochen handelt es sich hierbei um Produkte, die soziale und ökologische Aspekte sowie eine verantwortliche Unternehmensführung explizit in ihren Anlagebedingungen berücksichtigen. Das bedeutet beispielsweise, dass nur Unternehmen in den Fonds aufgenommen werden können, die bestimmte Arbeitsstandards einhalten, auf Kinderarbeit oder Tierversuche verzichten, keine Waffen herstellen oder ressourcenschonend produzieren. Bei Staaten sind oftmals solche ausgeschlossen, die zum Beispiel die Religions- und Pressefreiheit einschränken, die Todesstrafe einsetzen oder einen hohen Korruptionsgrad aufweisen. Nachhaltige Investmentkriterien ergänzen somit die harten Zahlen, die im Allgemeinen bei der Unternehmensanalyse im Vordergrund stehen, um die oben genannten weichen Faktoren. So entsteht ein Gesamtbild, das als Basis eines optimierten Risikomanagements dient. Dabei sind positive Renditeaussichten eines Titels jedoch genauso wichtig wie die Nachhaltigkeitsbewertung.

Kriterien der Nachhaltigkeit

Häufig findet man im Rahmen von Nachhaltigkeitsfonds den Hinweis auf Berücksichtigung der sogenannten ESG-Kriterien. Diese drei Buchstaben beschreiben drei nachhaltigkeitsbezogene Verantwortungsbereiche von Unternehmen und Staaten:

  • E: Environment = Umwelt
  • S: Social = Soziales
  • G: Governance = Führungsqualität (von Unternehmen und Staaten)

Beispielhaft könnten in einem entsprechenden Fonds also folgende Punkte bei der Anlageentscheidung Berücksichtigung finden:

Säulen der Nachhaltigkeit - Mainzer Volksbank (c) Union Investment
Säulen der Nachhaltigkeit - Mainzer Volksbank (c) Union Investment

Bisher gibt es jedoch noch keine allgemein gültigen Vorgaben, welche Kriterien ein Investmentfonds erfüllen muss, um als nachhaltig klassifiziert zu werden. So können die Ausschlusskriterien im Detail oder der Screening-Ansatz bei der Filterung möglicher Investments je nach Fondsgesellschaft und Produkt sehr unterschiedlich sein. Oftmals hat auch jeder Anleger eine sehr subjektive Vorstellung für Nachhaltigkeit. Während für den einen die Investition in Produzenten von Elektroautos eine Investition in nachhaltige Mobilität bedeutet, sorgt sich ein anderer um die umweltschonende zukünftige Entsorgung der Autobatterien. Was tatsächlich als nachhaltiges Finanzprodukt gilt, verunsichert Fondsanbieter und Anleger gleichermaßen. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, gibt es Pläne seitens der EU, die für mehr Transparenz sorgen sollen.

Politische Regelungen sorgen zukünftig für Klarheit

Nachdem die politische Diskussion um Nachhaltigkeit in der Finanzbranche in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung zugenommen hat, wurde schon 2018 im Rahmen eines EU-Aktionsplans ein umfassendes Regulierungspaket beschlossen. Ende 2019 einigten sich die EU-Staaten auf politischer Ebene über die grundlegende Ausgestaltung einer Taxonomie, einem Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften. Für das „E“ (Environment = Umwelt) gibt es bereits sehr genaue Vorgaben. Für den Bereich „S“ (Social = Soziales) fehlt die EU-Taxonomie noch; bis Ende 2021 will die EU auch hier für Klarheit sorgen. Eine Taxonomie für „G“ (Governance = Unternehmensführung) ist nicht vorgesehen. Fonds müssen sich jedoch nicht zwingend nach der Taxonomie richten, sie können auch andere Kriterien verfolgen. Allerdings müssen sie, sofern sie als nachhaltig vermarket werden wollen, voraussichtlich ab Januar 2022 genau berichten, wie groß der Anteil taxonomiekonformer Investitionen in ihrem Portfolio ist. Die Fondsanbieter werden also ab diesem Zeitpunkt deutlich transparenter darstellen müssen, wie ihre Produkte aufgebaut sind. Sie müssen offenlegen, welche Nachhaltigkeitsziele die Fonds konkret verfolgen, wie dies in den Portfolios umgesetzt wird und letztendlich, welche positiven und negativen Nachhaltigkeitsergebnisse durch den Fonds bewirkt werden.

Des Weiteren plant die EU die Einführung eines EU-Labels für Fonds, das eine einheitliche Basis schaffen soll, um die Transparenz für Anleger zu erhöhen. Wie die Kriterien des Ecolabels aussehen könnten, ist derzeit noch in Abstimmung.

Ab voraussichtlich 2022 wird das Thema „Nachhaltigkeit“ auch fest in die Anlageberatung integriert – so schreibt es eine Ergänzung der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II vor. Im Rahmen der Anlageberatung wird dann der Kunde zwingend nach seiner „Nachhaltigkeitspräferenz“ gefragt und seine Aussage bei der Anlageentscheidung mitberücksichtigt. Dabei kann unterschieden werden, ob der Anleger explizit mit der Produktwahl nachhaltige Ziele fördern (Impact) oder auch nur negative nachteilige Auswirkungen auf Umwelt- oder soziale Faktoren vermeiden möchte.

Nachhaltig liegt bei der Rendite klar vorn

Bleibt am Ende die Frage nach der Rendite der nachhaltigen Fonds. Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass sich nachhaltige Investments schlechter als traditionelle Kapitalanlagen entwickeln. Begründet wird dies überwiegend damit, dass sich das eingeschränkte Anlageuniversum negativ auf den Erfolg der nachhaltigen Geldanlage auswirken. Studien belegen jedoch ein gegenteiliges Bild. Tatsächlich wirkt sich die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in allen Anlageklassen tendenziell eher positiv aus. Nachhaltige Anlagen weisen geringere Ereignisrisiken (zum Beispiel Diesel-Skandal) oder Reputationsrisiken (zum Beispiel Arbeitsstandards in der Zuliefererkette) auf. Nachhaltig orientierte Unternehmen bieten dem Anleger messbare Erfolgsfaktoren: besseres Image, ressourcenschonende Strategie, höher motivierte Mitarbeiter sowie effizienteres Risikomanagement. Eine gute Ausgangsposition für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Jede Anlageentscheidung ist auch eine Entscheidung darüber, welche Art von Wirtschaft man fördert. Wir unterstützen Sie gerne dabei, die für Sie richtige Wahl zu treffen.


Von: Christina Simon, Abt. Private Banking