Klima im Wandel

Vier Fragen an Professor Dr. Stephan Borrmann

Der Klimawandel schreitet voran, seine Folgen wie Dürren und Überschwemmungen sind heute schon allgegenwärtig. Auch das Wetter in unserer Region wird zunehmend betroffen sein – mit direkten Auswirkungen zum Beispiel auf Landwirtschaft und Weinbau. Die MVB befragte dazu Dr. Stephan Borrmann, Professor für Meteorologie an der Johannes Gutenberg-Universität und Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz sowie einer der führenden Atmosphärenforscher in Deutschland.

Herr Professor Dr. Borrmann, das Thema Klimawandel ist aktueller denn je. Aber hat sich das Klima in der Erdgeschichte nicht schon immer verändert?
Das stimmt, auf natürliche Weise ändert sich das Klima sowieso immer. Jetzt kommt aber der Mensch als starker Einflussfaktor hinzu. Fakt ist: Unter anderem unsere  Verbrennungsprozesse führen nachweislich zu einer Erwärmung der unteren Atmosphäre. Das kann Probleme verursachen, wie etwa eine jetzt schon statistisch erkennbare globale Zunahme an Extremwetterereignissen, mit denen sich etwa auch die  Versicherungswirtschaft aktuell schon auseinandersetzt.

Welche Klimaprognose geben Sie also für die Zukunft ab?
Genau hier kommen wir zum Problem. Im Gegensatz zu einer kurzfristigen Wetterprognose können wir nicht vorhersagen, wie sich das Klima  in Zukunft entwickeln wird, weil es von verschiedenen Einflussgrößen wie der wirtschaftlichen Entwicklung und Naturereignissen abhängig ist. Wir sprechen also von Szenarienrechnungen nach dem Was-wäre-wenn-Prinzip.

Klingt so, als ob die Menschheit ihr Schicksal noch selbst in der Hand hat. Was können wir tun?
Zum einen geht es natürlich um Vermeidung von Treibhausgasen. Das fängt schon bei jedem Einzelnen von uns an: Es muss zum Beispiel nicht immer der Geländewagen sein.  Man kann stattdessen auch ein energieeffizienteres Auto fahren. Die Reduzierung von Emissionen beeinflusst übrigens nicht nur das globale Klima, sondern auch die regionale Luftqualität.
Zum anderen geht es um vorausschauende Anpassung, etwa wie in Holland, wo viel Geld in die Modernisierung von Deichen gesteckt wird, um sich vor den Folgen des  Meeresspiegelanstiegs und Starkregenfällen zu schützen.

Wird sich auch unsere regionale Landwirtschaft anpassen müssen?
Ein Beispiel ist die Versorgung mit Trinkwasser, die schon jetzt in vielen Teilen der Welt ein stark wachsendes Problem darstellt. Dies sieht man aktuell in den USA, aber auch schon
in Spanien, Südfrankreich und Italien und vor allem im Nahen und Mittleren Osten. Unsere Landwirte werden sich ebenfalls damit beschäftigen müssen. Aber auch die Frage, welche
Nutzpflanzen angesichts der sich ändernden Klimabedingungen in Zukunft regional besser geeignet sind, wird an Bedeutung gewinnen.

Allerdings sind die Szenarienrechnungen für die regionalen Folgen des Klimawandels trotz aller Verbesserungen der vergangenen Jahre immer noch ungenau, zu wenig belastbar und
gerade hier ist einiges an Forschungsarbeit notwendig.