Tradition modern interpretiert

Kloster Eberbach ist seit 900 Jahren Kulturdenkmal und Qualitätsweingut

Dass Umberto Ecos Bestseller-Roman „Der Name der Rose“ mit Sean Connery in der Hauptrolle hier verfilmt wurde, mag ein berühmtes Kapitel sein. Angesichts der langen und abwechslungsreichen Geschichte des Klosters Eberbach im Herzen des Rheingaus bleibt dies aber fast eine kleine Randnotiz. Die ehemalige Zisterzienserabtei wurde immerhin schon im Jahr 1136 gegründet – und ist bis heute ein Ort, der mit seinem Facettenreichtum Besucher aus der ganzen Welt zu begeistern weiß.

Dieter Greiner, Geschäftsführer der Hessischen Staatsweingüter Koster Eberbach GmbH
Dieter Greiner, Geschäftsführer der Hessischen Staatsweingüter Koster Eberbach GmbH

Es würde allein schon mehrere Seiten dieses MVB Reports füllen, nur das gesamte Kulturangebot des Klosters für das laufende Jahr abzubilden. Als Veranstaltungs- und Tagungsort hat sich Eberbach weltweit einen Namen gemacht. Ebenso als exklusiver Gastronomie- und Hotelbetrieb. Doch auch, wer einfach Ruhe und Besinnung in andächtig-historischer Umgebung sucht, wird sie auf der acht Hektar großen Anlage, um die sich die Stiftung Kloster Eberbach kümmert, finden. Das Kloster führt damit die ursprünglichen klösterlichen Ideen von Herzlichkeit und Offenheit auf eine innovative Art fort. „Unsere Tür steht offen, mehr noch unser Herz“ lautet ein überlieferter Wahlspruch der Zisterziensermönche, der irgendwie bis heute Gültigkeit hat.  

Das größte Weingut Deutschlands

Kloster Eberbach

Von Anfang an ist das Kloster Eberbach eng mit dem Weinbau verbunden. Diese Leidenschaft brachten die Gründer aus ihrer burgundischen Heimat mit. Mit unermüdlichem Qualitätsstreben wurde hier Weingeschichte geschrieben. Bis heute sind die Hessischen
Staatsweingüter Kloster Eberbach, eine GmbH mit dem Land Hessen als einzigem Gesellschafter, mit 250 Hektar Anbaufläche das größte Weingut Deutschlands. An der Spitze steht seit 17 Jahren Geschäftsführer Dieter Greiner. „Unsere Philosophie ist es, das wertvolle Erbe, das wir haben, modern und attraktiv für unsere Kunden zu präsentieren“, sagt er über die heutige Ausrichtung des Weingutes. Ein Konzept, das aufgeht: Knapp 2,5 Millionen  Flaschen werden im Jahr weltweit verkauft, schwerpunktmäßig neben Deutschland vor allem in den asiatischen und skandinavischen Raum. Angesprochen auf seine Marketingstrategie antwortet Greiner: „Das lässt sich relativ kurz zusammenfassen: Dort, wo der Kunde guten Wein sucht, müssen wir sein. Das kann in der Gastronomie genauso sein wie im Supermarkt oder Online-Shop.“

Beratung der MVB auf Augenhöhe

Seine Weinberge liegen über mehrere 100 Kilometer verteilt von der Hessischen Bergstraße über Hochheim bis nach Assmannshausen – und damit auch teilweise im Geschäftsgebiet
der Mainzer Volksbank. In Wolfgang Baatsch, Leiter Agrarwirtschaft bei der MVB, fand Greiner den optimalen Bankberater für seine Projekte, wie er betont: „Wir denken beide pragmatisch und sprechen fachlich auf Augenhöhe, das passt sehr gut.“ Neben einer größeren Anschlussfinanzierung wurde bereits eine neue Rebanlage mit Unterstützung der MVB realisiert, eine neue Maschinenhalle ist in Planung und weitere Vorhaben werden folgen. Denn Dieter Greiner denkt immer sehr zukunftsorientiert. So erzählt er im Gespräch auch, wie sein Weingut als eines der ersten in Deutschland bereits vor neun Jahren komplett von Kork- auf Schraubverschlüsse umstellte. Der Mut zur Veränderung ließ einige Traditionalisten die Nase rümpfen. „Aber der Kunde weiß, dass sein Wein wirklich so auf den Tisch kommt, wie er von uns gemacht wurde. Das hat sich im Endeffekt durchgesetzt.“
Dass es sich in besonderem Maße lohnt, einen Wein vom Kloster Eberbach ohne  korkschmecker zu genießen, weiß man im Prinzip bereits seit 900 Jahren. Viele edle Tropfen aus den vergangenen Jahrhunderten lagern in der sogenannten „Schatzkammer“ des Klosters. „Mit mehreren 10.000 Flaschen ist dieser Ort die Heimat der umfangreichsten Sammlung deutscher Spitzenweine“ erklärt Greiner. Die älteste Flasche aus dem klösterlichen Lager wurde übrigens noch 156 Jahre vor Gründung der MVB abgefüllt: Jahrgang 1706.  

Bildnachweise: Thomas Ott, Hessische Staatsweingüter