Bitcoin – ein Nachruf?!

Atemberaubende Preisbewegungen – u.a. verursacht durch exzessive Spekulation- katapultierten im vergangenen Jahr so genannte „Kryptowährungen“[1] ins Rampenlicht.

Von Januar 2017 bis zum Jahresende verzwanzigfachte sich der Kurs eines Bitcoin von 1.000 US-Dollar unter heftigen Schwankungen auf fast 20.000 US-Dollar, um sich dann binnen weniger Wochen auf unter 6.000 US-Dollar Anfang Februar 2018 zu dritteln. Nachdem der Kurs Mitte diesen Jahres noch einmal fast 10.000 US-Dollar erreichte, sank er von Mitte November bis Mitte Dezember auf unter 3.000 US-Dollar, bevor die nächste Erholungswelle bis auf aktuell rund 4.000 US-Dollar startete.

Vergleiche zur holländischen Tulpenmanie im 17. Jahrhundert und zur Internetblase zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind für die nach der letzten Finanzkrise 2007 von einem bis heute unbekannten Programmierer erschaffene „virtuelle Währung“ nicht von der Hand zu weisen.

Wie entsteht ein Bitcoin?

Erzeugt werden Bitcoin durch so genanntes „Schürfen“ („Mining“), das bedeutet, komplexe Rechenaufgaben werden durch Computer (im weiteren Sinne) mit -mittlerweile- sehr hohem Energieaufwand erledigt und mit einer Gutschrift in dieser virtuellen „Währung“ belohnt.

Die „Aufbewahrung“ der Bitcoins erfolgt dezentral über viele Rechner in einer Art „Speicher- bzw. Transaktionskette“ (Blockchain) und gilt daher als fälschungssicher, was aber nicht zu verwechseln ist mit einer Sicherheit vor Hackerangriffen zum „Raub“ von Bitcoins. Dieser hochinteressante Ansatz der dezentralen Speicherung und Verknüpfung wird sehr wahrscheinlich binnen weniger Jahre seinen Siegeszug antreten und kann ein echter „Gamechanger“ in vielen Branchen werden; erste praktische Anwendungen kann man bereits bei der Abwicklung von Wertpapiergeschäften beobachten.

Technisch besteht eine Obergrenze von max. 21 Mio. Bitcoin-Einheiten, bisher sind rund 17,24 Mio. Einheiten „geschürft“ worden. Während früher nahezu Jedermann Bitcoins „schürfen“ konnte, hat sich die „Produktion“ mittlerweile in Länder mit sehr niedrigen Energiekosten wie z.B. Island verlagert, was vor Ort zu teilweise nicht unerheblichen Problemen u.a. in der Versorgungssicherheit und Netzbelastung führt.

Vereinzelt kann man auch in der realen Welt bereits mit Bitcoin bezahlen, aber: Sind Kryptowährungen eigentlich Geld? „Geld ist, was Geldfunktionen erfüllt“, würde ein Wirtschaftswissenschaftler wohl lapidar antworten. Nehmen wir den Bitcoin unter diesem Aspekt etwas genauer unter die Lupe:

Als Zahlungsmittel sind Bitcoins ungeeignet wegen mangelnder allgemeiner Akzeptanz und beschränkten bzw. langsamen Verarbeitungskapazitäten (eine Transaktion dauert mehrere Minuten). Gegen die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel sprechen die hohen Preisschwankungen, die nur virtuelle „Existenz“ und die hohe Betrugsgefahr im Netz („Hacker“). Zur Wertmessung taugen Kryptowährungen wegen der extremen Preisschwankungen ebenso wenig.

Und wie ist es um die Rechtssicherheit bestellt?

Bisher tummelten sich Kryptowährungen in einem weitgehend rechtsfreien, wenig regulierten Raum, was u.a. die Verwendung durch Kriminelle, welche die entsprechende Anonymität schätzen („Darknet“), förderte. Mittlerweile erwägen Aufsichtsbehörden und Regierungen aber Regelungen, die bis zu Handelsverboten reichen können, um eine potenziell destabilisierende Wirkung auf das Währungs- bzw. Wirtschaftssystem (u.a. Verhinderung von Geldwäsche oder Steuerhinterziehung) zu verhindern.

Wie sehen die „natürlichen Konkurrenten“ -also Zentralbanken- die Kryptowährungen?

Viele Zentralbanken untersuchen bereits Chancen und Risiken staatlicher Digitalwährungen, wobei insbesondere die schwedische Reichsbank hervorzuheben ist. Eines der Hauptprobleme bei staatlichem Kryptogeld ist das ausgeprägte Misstrauen weiter Teile der Bevölkerung in private Banken, was insbesondere in der letzten Finanzkrise 2007 schlagend wurde. Alle, die Geschäftsbanken misstrauen, würden spätestens in einer Krisensituation ihr Geld zur Staatsbank bringen. Damit wäre ein „Schaltersturm“ auf Geschäftsbanken denkbar und die grundsätzliche, bewährte Funktion von Geschäftsbanken im Wirtschaftssystem würde massiv in Frage gestellt. Ebenso schmal ist der Grat zwischen Freiheit und Überwachung; bei Kryptowährungen wäre eine totale Kontrolle des Geldflusses durch die Zentralbanken möglich.

Aus Sicht der Deutschen Bundesbank machen die potenziellen Nachteile eine Emission von staatlichem Kryptogeld auf absehbare Zeit unrealistisch.

Was bleibt?

Die Gefahr, dass der kometenhafte Aufstieg der Kryptowährungen in absehbarer Zeit endet, ist groß. Zu selten waren technische Pioniere in der Lage, ihre Innovationen dauerhaft in klingende Münze umzusetzen. Der kommerzielle Erfolg wird wohl erst mit auf der Blockchain-Technologie basierenden Dienstleistungen zu erzielen sein. Der Traum vom „schnellen Geld“ mit einem Investment in Kryptowährungen dürfte rasch wie eine Sternschnuppe verglühen.

 

[1] Um bei mehr als 1.900 aktuell existierenden Kryptowährungen die Übersichtlichkeit zu gewährleisten, beziehen sich alle folgenden Ausführungen nur auf die „Leitwährung“ Bitcoin

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