Das ändert sich in 2022

Zum Jahreswechsel treten in der Regel einige Gesetzesänderungen in Kraft. Auch 2022 gibt es einige Änderungen, die sich für Sie finanziell bemerkbar machen könnten. Vom neuen Mindestlohn bis hin zur Erhöhung des Grundfreibetrags: Wir fassen die wichtigsten Neuerungen für Sie verständlich zusammen.

Staatliche Leistungen

Mindestlohn steigt erneut

Bereits in den letzten Jahren konnten sich Arbeitnehmer aller Branchen über eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns freuen. Am 1. Januar 2022 steigt die Lohnuntergrenze ein weiteres Mal. Arbeitgeber müssen ab diesem Zeitpunkt ihren Arbeitnehmern einen Mindestlohn von 9,82 Euro pro Stunde zahlen. Dies gilt unter anderem auch für Rentner, Minijobber und Saisonarbeiter. Keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben etwa Auszubildende, Selbstständige oder Studenten innerhalb eines Pflichtpraktikums. Zum 1. Juli 2022 wird der Mindestlohn erneut angepasst und beträgt dann 10,45 Euro pro Stunde. Zum Januar und Juli 2023 wird es voraussichtlich weitere Erhöhungen geben.

Übrigens: Die neue Bundesregierung plant, den Mindestlohn auf 12 Euro zu erhöhen.

Mehr Vergütung für Auszubildende

Die im Jahr 2020 eingeführte Mindestvergütung für Auszubildende steigt 2022 an. So soll die berufliche Ausbildung attraktiver gemacht und Transparenz geschaffen werden. Lehrverträge, die ab dem 1. Januar 2022 beginnen, sehen mindestens 585 Euro im ersten Ausbildungsjahr vor. Das sind monatlich 35 Euro mehr als noch im Vorjahr. Im zweiten Lehrjahr können Auszubildende mit 18 Prozent mehr gegenüber ihres Einstiegsgehalts rechnen. Im dritten Jahr sind es bereits 35 Prozent und im vierten 40 Prozent. Auch 2023 können sich Auszubildende auf einen Anstieg der Mindestvergütung freuen: Sie können mindestens 620 Euro als Einstiegsgehalt erwarten.

Minijob

Laut Koalitionsvertrag der neuen Regierung steigt die Gehaltsgrenze für Minijobber von 480 Euro auf 520 Euro. Das kann Auswirkungen auf die Arbeitszeit der Minijobber haben. Beschlossen ist bereits, dass Arbeitgeber zukünftig die Steuer-Identifikationsnummern ihrer gewerblichen Minijobber im elektronischen Meldeverfahren an die Minijob-Zentrale übermitteln müssen.

Wohngeld-Anpassungen

Nach der Wohngeldreform 2020 passt sich das Wohngeld ab Januar 2022 zum ersten Mal automatisch an die aktuelle Miet- und Einkommensentwicklung an. Im Durschnitt erhalten bisherige Wohngeldempfänger demnach 13 Euro mehr pro Monat. Insgesamt profitieren rund 640.000 Haushalte von der Erhöhung, darunter vor allem Rentner und Familien. Die regelmäßige Anpassung erfolgt in einem Turnus von zwei Jahren.

Steuern

Höherer Grundfreibetrag

Familien sollen ab 2022 finanziell stärker entlastet werden. Dies ermöglicht unter anderem ein höherer Grundfreibetrag. Dieser steigt auf 9.984 Euro an. Das sind 240 Euro mehr als noch im vorherigen Jahr. Für Verheiratete verdoppelt sich der Grundfreibetrag und liegt damit im Jahr 2022 bei 19.968 Euro. Die Anhebung soll die steuerliche Freistellung des Existenzminimums sicherstellen.  

Verschiebung der Eckwerte des Steuertarifs

Zum Ausgleich der kalten Progression werden dann auch die Eckwerte des Einkommensteuertarifs für die VZ 2021 und 2022 nach rechts verschoben. Danach ist etwa der Spitzensteuersatz von 45 % erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 274.613 EUR (VZ 2021) bzw 277,826 EUR (VZ 2022) zu zahlen statt ab 270.501 EUR im VZ 2020.

Abzug von Unterhaltsleistungen

Auch für den Abzug von Unterhaltsleistungen wird der Höchstbetrag angehoben, der sich am steuerlichen Existenzminimum orientiert. Er liegt 2022 bei 9.984 Euro.

Kinderzuschlag wird erhöht

Der Kinderzuschlag wird leicht erhöht. Er steigt von 205 Euro um vier Euro auf bis zu 209 Euro pro Monat pro Kind. Der Kinderzuschlag ist eine Leistung zusätzlich zum Kindergeld für Familien mit geringem Einkommen. Die Anhebung entfällt, falls das Kindergeld kurzfristig zum 01.01.2022 angehoben wird.

Reichensteuer 2022

Der eigentlich kontinuierlich bis 42 ansteigende Einkommensteuertarif hat am oberen Ende eine Stufe von 3 %, der als „Reichensteuer“ bezeichnet wird. Damit müssen in 2022 Einkommen ab 277.826 Euro/555.652 Euro (Ledige/Zusammenveranlagung) mit 45% versteuert werden.

Rentenbesteuerung 2022

Die Zeiten steuerfreier Rente sind seit 2005 vorbei. Seitdem steigt der Anteil der Rente, der versteuert werden muss, kontinuierlich bis zum Jahr 2040 auf 100%. Diejenigen, die im Jahr 2022 in Ruhestand gehen, müssen von ihrer Bruttorente 82 Prozent versteuern. Der Rentenfreibetrag in Höhe von 18 Prozent gilt dann bis ans Lebensende weiter.

Corona-Bonus

Bis März 2022 können Arbeitgeber ihren Angestellten eine steuerfreie Corona-Prämie von bis zu 1.500 Euro auszahlen. Wer schon eine Prämie in dieser Höhe erhalten hat, profitiert nicht noch einmal. Arbeitgeber, die die Summe noch nicht ausgeschöpft haben, können aber noch einen Nachschlag bis zum Erreichen des Maximalbetrags steuerfrei ausschütten.

Rauchen: (E-)Zigaretten werden teurer

Die Tabaksteuer für eine Packung Zigaretten steigt um durchschnittlich zehn Cent. Ab dem 1. Juli 2022 werden dann auch Substanzen für E-Zigaretten besteuert – ob nikotinhaltig oder nicht. Damit kostet ein Zehn-Milliliter-Liquid, derzeit für rund fünf Euro im Handel, ab 2022 etwa 6,60 Euro. 

Versicherungen

Neue Bemessungsgrenzen

Wie jedes Jahr werden die Beitragsbemessungsgrenzen für die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung neu festgelegt, damit sie mit der Entwicklung der Einkommen Schritt halten. Die Bemessungsgrenzen legen fest, bis zu welchen Einkommen Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden müssen.

Bei der Krankenversicherung gibt es 2022 keine Änderung. Die Beitragsbemessungsgrenze bleibt bei 58.050 Euro. 

Hier liegt die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung ab dem 1. Januar 2022 bei 6.750 Euro pro Monat (Ost) bzw. bei 7.050 Euro monatlich (West).

Die knappschaftliche Rentenversicherung steigt auf 8.350 Euro pro Monat (Ost) bzw. fällt auf 8.650 Euro pro Monat (West).

Pflege

Zum 1. Januar 2022 werden die Beträge für Pflegesachleistungen und Kurzzeitpflege angehoben.

Pflegesachleistungen steigen um fünf Prozent:

  • Pflegegrad 2: 724 Euro statt bisher 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.363 Euro statt bisher 1298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.693 Euro statt bisher 1612 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.095 Euro statt bisher 1995 Euro

Kurzzeitpflegeleistungen steigen um zehn Prozent von 1.612 Euro auf 1.774 Euro.

Umwelt

CO2-Steuer steigt

Auch 2022 wird die CO2-Steuer angehoben von bisher 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid auf 30 Euro. Dadurch steigen unter anderem die Kraftstoffpreise – um etwa je eineinhalb Cent bei Diesel und Benzin.

EEG-Umlage

Die EEG-Umlage sinkt von derzeit 6,5 Cent auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde.

Derzeit liegt nach Angaben des Vergleichsportals Verivox der durchschnittliche Strompreis für Haushalte bei 31,38 ct/kWh und damit höher als je zuvor. Die Absenkung der EEG-Umlage würde den aktuellen durchschnittlichen Strompreis um rund elf Prozent senken.

Laut Koalitionsvertrag soll die Finanzierung der EEG-Umlage über den Strompreis beendet und zum 1. Januar 2023 aus dem Bundeshaushalt beglichen werden.

Neues Elektrogesetz

Ein neues Elektrogesetz verpflichtet den Handel ab dem 01.01.2022 dazu, alte Elektrogeräte jetzt immer kostenlos zurückzunehmen. Bei Online-Händlern gilt dies ab einer Lager- oder Versandfläche von 400 Quadratmetern, beim Lebensmittel-Einzelhandel ab einer Verkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern, sofern dort neue Geräte zumindest gelegentlich angeboten werden. Sie können bei diesen Händlern pro Rückgabe jeweils bis zu drei Altgeräte bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimeter je Geräteart entsorgen, ohne ein neues Gerät zu kaufen.

Plastiktütenverbot

Ab Januar 2022 gilt in Deutschland ein Verbot für leichte Plastiktragetaschen durch die Änderung des Verpackungsgesetzes. Ausgenommen sind besonders leichte Kunststofftragetaschen wie die sogenannten "Hemdchenbeutel" beziehungsweise "Knotenbeutel" zum Transport von stückweise angebotenem Obst und Gemüse.

Immobilien

Förderung für Neubauten

Am 1. Februar 2022 endet die Frist für Anträge auf günstige Darlehen und Zuschuss von der KfW für Neubauten im sogenannten KfW-55-Standard. Weiterhin gefördert werden KfW-40 und KfW-40plus. Die Fördermittel sollen zukünftig stärker für Bestandssanierung eingesetzt werden.

Grundsteuerreform

Die Grundsteuer wird neu geregelt. Die alten Einheitswerte aus dem Jahr 1964 (West) bzw. aus dem Jahr 1935 (Ost) werden ersetzt, das Bundesverfassungsgericht hatte diese Praxis für verfassungswidrig erklärt. Für die neue Grundsteuer werden Grundstücke und Immobilien erstmals ab dem 1. Januar 2022 neu bewertet. Bis 2024 wird voraussichtlich noch nach dem alten Verfahren gerechnet, ab 2025 dann auf Basis der 2022 erhobenen Werte. Nächstes Jahr können Haus- und Grundstücksbesitzer also mit Post vom Finanzamt rechnen.

Sonstiges

Elektronische Krankmeldung

2022 soll der Prozess der Krankmeldung vollständig digitalisiert werden. Zukünftig erhalten Sie nicht mehr die alte Krankschreibung in drei Durchschlägen mit „gelbem Schein“ für den Arbeitgeber und Kopie für die Krankenkasse. Stattdessen übermitteln Ärzte die Krankmeldung online an die zuständige Krankenkasse. Ab dem 1. Juli informiert die Krankenkasse Ihren Arbeitgeber ebenfalls elektronisch über Start und Dauer der Krankmeldung.

Allerdings: Von der Verpflichtung, Ihren Arbeitgeber telefonisch oder schriftlich zu informieren, entbindet die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) Sie nicht – das müssen Sie weiterhin selbst erledigen.

Briefporto

Zum 1. Januar 2022 steigt das Porto für einen Standardbrief von 80 auf 85 Cent. Eine Postkarte kostet dann im Versand 70 Cent statt 60 Cent.

Führerschein umtauschen: wichtige Frist im Januar

Inhaber eines Führerscheins, der bis einschließlich 31. Dezember 1998 ausgestellt worden ist, und die in den Jahren 1953 bis 1958 geboren sind, müssen diesen bis spätestens 19. Januar 2022 umtauschen

Das ist Teil einer EU-Richtlinie, die vorsieht, dass bis 2033 alle Führerscheine innerhalb der EU einen einheitlichen Standard erfüllen müssen. Da es sich allein in Deutschland um rund 43 Millionen Dokumente handelt, ist ein Stufenplan erstellt worden, wer bis wann seine Fahrerlaubnis umstellen muss, damit die Behörden nicht überlastet werden.

Zensus: 2022 wird die deutsche Bevölkerung gezählt

Die EU verpflichtet alle Mitgliedstaaten, regelmäßig amtliche Bevölkerungszahlen zu erstellen. Turnusmäßig hätte die Volkszählung in 2021 stattfinden sollen, ist aber wegen Corona ausgefallen. Diese Zählung wird nun im Mai 2022 nachgeholt. Die Zählung ist wichtig, weil damit erfasst wird, wie viele Menschen in Deutschland leben und arbeiten. Die Zahlen sind dann wiederum Grundlage für viele Entscheidungen in Bund, Land und Kommunen. Vorrangig werden Daten aus Verwaltungsregistern genutzt, sodass die meisten Menschen von der Zählung gar nichts mitbekommen werden.


Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2021

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